Wertschätzung ohne Scham – wie du das komische Gefühl überwindest
 

Warum Wertschätzung sich manchmal seltsam anfühlt

Fast alle kennen dieses Gefühl: Du willst jemandem Danke sagen, ein Kompliment aussprechen - und plötzlich wirkt alles ungewohnt, künstlich oder irgendwie… komisch. Dieses „Weirdness‑Gefühl“ ist völlig normal. Laut Appreciation at Work empfinden viele Menschen genau diese Unsicherheit, wenn sie beginnen, Wertschätzung am Arbeitsplatz bewusster zu leben. Besonders dann, wenn es im Team bisher wenig gelebte Wertschätzung gab.

Das Gute: Dieses Gefühl ist kein Stoppschild. Es ist ein Zeichen, dass du etwas Neues ausprobierst.

Warum entsteht dieses „Weirdness‑Gefühl“ überhaupt?

Die Forschung zeigt drei typische Gründe:

  • Angst vor falschen Motiven: „Denkt die Person jetzt, ich mache das nur, weil wir ein Training hatten?“
  • Angst vor Unauthentizität: „Kommt das überhaupt echt rüber?“
  • Angst vor Peinlichkeit: „Was, wenn es komisch wirkt oder nicht gut ankommt?“

Wir wollen positiv wahrgenommen werden. Und genau deshalb zögern wir. Ironischerweise wird es dadurch nicht besser. Warten macht Wertschätzung nicht natürlicher.

Der wichtigste Schritt: Das Gefühl anerkennen

Bei Appreciation at Work empfehlen wir unseren Teilnehmenden immer, das Unbehagen offen zu benennen. Sowohl für dich selbst als auch im Team. Ein Satz wie: „Okay, das fühlt sich gerade ungewohnt an, aber ich meine es ernst.“ nimmt sofort Druck raus. Authentizität entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Ehrlichkeit.

Kleine Formulierungen, die den Einstieg erleichtern

In meinen Trainings schlage ich dazu auch sogenannte „Lead‑in‑Phrasen“ vor, die das Eis brechen:

  • „Ich weiß, das kommt vielleicht überraschend, aber ich wollte dir sagen…“
  • „Das fühlt sich gerade etwas ungewohnt an, trotzdem ist es mir wichtig…“
  • „Vielleicht klingt das jetzt wegen unseres Trainings so, aber ich meine es wirklich…“

Solche Sätze schaffen Raum für echte Wertschätzung, aber ohne Pathos oder Kitsch.

Zwei Beispiele aus meinem Berufsalltag

Beispiel 1 – Teammeeting mit Zurückhaltung: In einem Teamtraining merkte ich, wie alle innerlich bremsten. Niemand wollte den Anfang machen. Also habe ich das Gefühl offen angesprochen: „Ich weiß, das fühlt sich gerade für uns alle ungewohnt an. Auf einer Skala von 1 (unwohl fühlen) bis 10 (wohlfühlen), wo steht ihr?“ Alle haben sich im Raum entsprechend positioniert. Anschließend hat der Teilnehmer, der sich aus der Gruppe am nähsten an der 10 positioniert hat, den ersten Schritt gewagt. Nach seinem. mutigen Statement löste sich die Spannung. Der Rest des Meetings war überraschend warm und ehrlich.

Beispiel 2 – Kundenworkshop: In einem Workshop mit Führungskräften sagte ein Teilnehmer: „Ich finde das alles sinnvoll, aber es fühlt sich einfach komisch an.“ Wir haben gemeinsam eine Mini‑Übung gemacht: Jeder formulierte einen ersten Satz Wertschätzung schriftlich. Die Erleichterung war spürbar. Der Einstieg über Schriftlichkeit nahm den Druck raus und machte den Weg frei für echte Gespräche.

Wie du das komische Gefühl Schritt für Schritt reduzierst

  • Ansprechen statt verstecken: Sag offen, dass es ungewohnt ist.
  • Klein anfangen: Ein Satz reicht.
  • Regelmäßig üben: Nicht Zeit, sondern Wiederholung macht es leichter.
  • Wohlwollen unterstellen: Geh davon aus, dass andere es gut meinen – und du selbst auch.
  • Mut vor Perfektion: Wertschätzung muss nicht perfekt sein, nur ehrlich.

Mein persönliches Fazit: Das Ungewohnte ist ein Zeichen von Wachstum

Wertschätzung fühlt sich am Anfang oft seltsam an. Besonders in Teams, die es nicht gewohnt sind. Aber genau dieses Unbehagen zeigt, dass du etwas veränderst. Mit kleinen Schritten, ehrlichen Worten und etwas Mut wird Wertschätzung schnell natürlicher. Und irgendwann fragst du dich, warum es sich jemals komisch angefühlt hat.

 

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